Dienstag, 13. Mai 2014

GroKo - des Kaisers neue Kleider



Es gab einmal eine Aufbaugeneration in den 50ern und 60igern – unsere Eltern, gestern. Dann forderte eine kritische Generation Brandt mit langen Haaren und und vielen Fragen ein neues Heute,  auch, um die Eltern zu ärgern. Sie wich der Mauerfall-Generation Kohl mit weitem Blick und praktischem Verstand, die kuschelte sich ins Gestern als Gemütlichkeitsecke für verlorene Identitäten. Doch was ist heute? Schwebt da eine Generation Merkel im im Gefühl der Bewusstlosigkeit, ohne Gestern, Heute und Morgen? Zumindest prägt die GroKo die politische Kultur so stark, dass sich unser Land anfühlt wie eine Lounge der konfliktfreien Willenlosigkeit. Wie die Kanzlerin sich selbst, so definiert sich die Republik nicht mehr durch das, was sie ist und will, sondern nur noch durch das, was sie nicht ist und nicht will. Die Große Koalition avanciert damit nicht bloß zur langatmigen Regierungsformation, sie wird zur Signatur unserer Zeit. Vom Elternabend über das Ikea-Wohnzimmer bis zum Parteitag wollen sich alle am liebsten auf einem Quadratmillimeter politisch korrekter Mitte treffen. Das öffentliche Streiten, das wir einmal hatten – u.a. auch weil Menschen wie Böll und Grass die Politiker über die Medien zwangen, sich mit Inhalten auseinander zu setzen - ist einem permanenten Koalitionsgespräch gewichen. Medien setzen dabei seltsame, kurzlebige Prioritäten, die die kritische Intelligenz immer geringer schätzt, Inszenierung ist alles. Dereinst tobte sogar ein Kampf um  Argumente, woraufhin Politiker, Journalisten und die restlichen Bürger über Inhalte Feinde werden konnten. Das ist vorbei. Heute wollen wir einander nur lässig gefallen. Entspannung ist wichtiger als Entdeckung. Das ist nicht nur eine Possierlichkeit der Postmoderne, es ist der Triumph des Opportunistischen über die Wahrheit. Wenn aber das Kleid der GroKo alles umschmeichelt, darf man sich dann wundern, dass Politik wie Medien in einer Glaubwürdigkeitskrise stecken? Die Menschen durchschauen das schillernde Grokokleid als des Kaisers neue Kleider – durchsichtig und fast inhaltslos.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Veränderungsresistenz - Back to the 80's



Eigentlich leben wir in einem modernen Land. Aber weil man – abgesehen von der einen oder anderen durch Lobbyarbeit verursachten Verzerrung – ja mit nichts übertreiben soll, erst recht nicht mit der Modernität, kleben wir mit unserer Geisteshaltung so gern an den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Also an einer Zeit, die für viele mittelalte Erwachsene von heute noch bei weitem nicht lange genug zurückliegt, um endgültig der nostalgischen Verklärung anheimzufallen. Die meisten Angehörigen der Generation 50+, mich eingeschlossen, können sich zwar nicht mehr allzu detailgetreu an die Achtziger erinnern. Jedoch ist das Gefühl, damals einen Epochenwandel miterlebt zu haben, noch ziemlich präsent. Das begann schon damit, dass alles digital wurde: Spiele, die Musik, die Textverarbeitung - bis hin zu Frisuren, die aussahen, als wären sie am Computer entstanden. Die erfolgreichste deutsche Band des damaligen Jahrzehnts trug den Modernitätsanspruch sogar in ihrem Namen, aber es ist irgendwie kein Zufall, dass der ,,Modern Talking"-Veteran Dieter Bohlen inzwischen zum alterslosen Inventar der Fernsehcastingunterhaltung geworden ist – ebenso wie Nena.

Während unsere französischen Nachbarn die Musealisierung ihrer Nation mit aller Konsequenz vorantreiben, auch wenn sie dadurch immer mehr den Anschluss verpassen, halten wir Deutsche immerhin noch formal an dem Anspruch von Modernität fest. Allerdings werden parallel dazu bei uns eben die Errungenschaften der achtziger Jahre unter besonderen konservatorischen Schutz gestellt. So hält das ZDF „Wetten, dass?" (Erstausstrahlung 1981) immer noch für ein gelungenes Unterhaltungsformat für die ganze Familie und bei der föderal aufgestellten ARD ermittelt immer noch Horst Schimanski (Erstauftritt ebenfalls 1981) in den Duisburger Industriebrachen. Das kann man wohlwollend als Kontinuität bezeichnen, obwohl die Begriffe Einfallslosigkeit und Überraschungsarmut eine treffendere Beschreibung sind.

Die ca. 2 Monaten währenden Großen Koalitionsverhandlungen 2013 atmenten ebenfalls den Geist der achtziger Jahre. Da wird von allen Beteiligten ein moderner Gesellschaftsentwurf beschworen, wo es in Wahrheit um die Rückabwicklung der Agenda 2010 geht und eine Klientelpolitik zu betreiben, die wir aus 16 Jahren Kohlscher Regierung kennen. Als Beispiele seien hier die Rentengeschenke der CDU für die Zuschauerschaft von ,,Wetten, dass?" (Durchschnittsalter über 60) oder die sozialdemokratischen Variante von ,,Zurück in die Zukunft", der Rente mit 63 angeführt. Es wird so getan, als gäbe es keine Finanzkrise, keine völlig fehlgesteuerte EEG-Umlage, keine Probleme mit Rüstungsprojekten und kein Föderalismusproblem. Einer beiden Verhandlungspartner scheint sogar soweit desorientiert, dass er noch eine Mitgliederabstimmung benötigt, um einem Koalitionsvertrag zustimmen zu können.

Zukunftsorientiert geht anders!

Dienstag, 11. Juni 2013

Wahlkampfzeiten und die Mär vom Wachstum



Seit längerem beobachten wir in den westlichen Industrienationen, aber auch in Japan, abnehmende Wachstumsraten. Um dieses Phänomen zu erklären könnte man mit dem Leben unserer Großeltern beginnen. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren Strom und Toiletten mit Wasserspülung keineswegs selbstverständlich, Automobile waren eher die Ausnahme, Fernsehen und Radio hören kannte man nicht. Als ich geboren wurde – 1955 – hatte sich fast alles geändert; es gab sogar Flugzeuge und Atomkraft. Sehen wir uns nun die Zeit seit 1955 an: Die Autos sind besser und sicherer geworden, aber wir fahren immer noch Autos. Kühlschränke sind größer und effizienter geworden, basieren im Grundsatz aber immer noch auf der gleichen Technik. Es gibt mehr und bessere Fernsehkanäle, aber wir sehen immer noch fern.

In den wohlhabenden westlichen Ländern hat sich also die technologische Entwicklung im Vergleich zur Vergangenheit wesentlich verlangsamt. Nur in zwei Bereichen hat wir noch signifikante Fortschritte zu verzeichnen: in der Medizin – die Menschen leben länger - und in der Informationstechnologie. Hier hat eine wirkliche Revolution stattgefunden. Die innovativen Kräfte der vergangenen Jahrzehnte liegen ansonsten aber hinter denen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich zurück.

Liest man Prognosen aus dem 19. Jahrhundert, stellt man fest, dass viel weniger Fortschritt angenommen wurde als dann tatsächlich Realität wurde. In den 60er Jahren allerdings wurde viel mehr Fortschritt prognostiziert als wir tatsächlich erleben durften wie z.B. fliegende Autos oder ein Urlaub auf einem anderen Stern. Fakt ist, dass wir immer noch im Flugzeug fliegen und auch kaum schneller als in den späten 60ern. Der Zusammenhang aus diesen Erkenntnissen zu Wirtschaftswachstum ist einfach herzustellen: Es ist der technologische Fortschritt, der neue Produkte und neue Produktionstechniken entstehen lässt und somit Wachstum möglich macht. Ohne technologische Veränderungen entsteht kein Wachstum. Heute freuen wir uns, wenn wir ein Wachstum von mehr als 1 Prozent erreichen – das ist Stagnation.

Vordergründig widersprechen die jahrelangen Wachstumsraten von Ländern wie China oder Indien dieser Stagnationstheorie. Die Ursachen sind allerdings in erster Linie der hohe Nachholbedarf und die Methode des Kopierens. Die Produkte mögen billiger sein als unsere, aber unser Leben verändern sie nicht. Solange aber nicht neue, echte Innovationen gelingen, wird das Wachstum auch diesen Ländern zum Erliegen kommen, sobald der Nachholeffekt verpufft ist. Die einzigen zwei westlichen Länder mit hohen Wachstumsraten, nämlich Kanada und Australien, profitieren ausschließlich von den hohen Preisen der Rohstoffmärkte, also den Ausgaben der Anderen. Dies ist kein übertragbares Modell.

Und wie sieht es nun in Europa aus? Im Moment konzentrieren wir uns auf die südeuropäischen Länder, doch die Wurzeln der aktuellen Probleme liegen tiefer. Bereits in Jahren 2000 – 2007 gab es fast keine Produktivitätssteigerung in Europa. Das hätte uns eine Warnung sein sollen. Wenn aber viele Europäische Staaten über Jahrzehnte nicht wachsten, dann helfen keine Strukturprogramme und Sparpakete. Diese Staaten werden zahlungsunfähig werden. Und die Ankurbelung der Binnennachfrage ist auch immer nur ein kurzfristig wirkendes Heftpflaster, das den erforderlichen Heilungsprozess nicht fördert. Wie sieht also unsere Zukunft aus? Vielleicht hilft auch hier ein Blick in die Vergangenheit: Die technologische Entwicklung, die wir heute als industrielle Revolution bezeichnen. Das war kein ruckartiger Prozess, sondern vieles wurde am Anfang für die Menschen nur minimal besser und manches auch schlechter. Der massive Einsatz von Maschinen sorgte für große Verluste von Arbeitsplätzen, was nicht zuletzt von Marx und Engels aufgegriffen wurde und zum Aufstieg des Sozialismus führte. Die wirtschaftliche Entwicklung nahm einem trägen Anfang und kaum wahrgenommenen Fortschritten erst später richtig Fahrt auf und sorgte bis kurz vor dem Ende des 20. Jahrhunderts für kontinuierliches Wachstum.

Es ist ja nicht auszuschließen, dass wir auch künftig einmal wieder technologische Durchbrüche erleben werden, z.B. im Bereich der künstlichen Intelligenz oder an den Schnittstellen zwischen Genetik und Gesundheit. Auch erneuerbare Energien sind ein großes Feld, in dem technische Revolutionen vorstellbar sein sollten, obwohl hier derzeit kaum noch Fortschritte zu beobachten sind. Wann also ist einmal wieder soweit und können wir zu dieser Entwicklung beitragen? Benötigen wir vielleicht wieder etwas mehr Risikobereitschaft, eine Voraussetzung für neue Entwicklungen? Haben wir uns in unserem Regulierungswahn in die Stagnation einbetoniert? Eines steht fest: Technischen Fortschritt und damit Wirtschaftswachstum sind nicht mehr selbstverständlich. Er kommt ruckartig und nicht stetig, wie wir fälschlicherweise im 20. Jahrhundert angenommen haben. Möglicherweise ist Stagnation zu einer nicht angenehmen, aber durchaus möglicher Zukunft geworden. Das sollte dann bitte auch politisch einmal wahrgenommen werden!

Freitag, 24. Mai 2013

...und die ersten Rezensionen!



5.0 von 5 Sternen Gesundheitförderliches Führen 20. Mai 2013
Format:Gebundene Ausgabe
Führen in Krisen von J. Studt zeigt in deutlichen Worten, wie es um die jetzigen Führungsstrukturen bestellt ist, wo deren Manko liegt, aber auch den Weg, wie man/frau es besser machen kann. Alte Werte sind kein alter Hut! Mit Begriffen wie Vertrauen, Herzensbildung, Respekt und Sozialkompetenz werden Fähigkeiten benannt, die nicht nur das Zusammenleben sondern eben auch das (erfolgreiche) Zusammenarbeiten und Führen erleichtern oder erst möglich machen. Studt schreibt aus Sicht des Managers, aus Sicht des Arbeitsmediziners kann ich diesen Ansatz nur bestärken und hoffe, dass dieses Buch gerade die Führungskräfte lesen, die in diesen Bereichen Entwicklungspotential haben...

5.0 von 5 Sternen Ein Must für alle Führenden 26. April 2013
Von Soitis
Format:Gebundene Ausgabe
Alle an dem Thema Führung Interessierten möchte ich dieses sehr feine und inspirierende Buch empfehlen. Die Führenden erleben heute einen Paradigmenwechsel und je eher dies von den Betroffenen bemerkt und integriert wird, desto schneller werden wir auch die Krise meistern. Oder wie nennt es der Autor „...Wer den Wertschöpfungsprozess dominant nur über die harten Faktoren steuert, sieht sich über kurz oder lang mit der harten Realität der weichen Faktoren konfrontiert und ist darauf nicht vorbereitet....“ Dieses Buch macht auch uns Frauen Mut, sich ein Stück weit nach vorne bzw. nach oben zu wagen

Sonntag, 24. März 2013

Na bitte!

Komplexität und Dynamik in einer globalisierten Wirtschaft wachsen weiter – mit einem zunehmenden Einfluss auf die Gesellschaften. Parallel dazu erleben wir die ersten Auswirkungen des demographischen Wandels und den Übergang von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die uns seit 2008 in Atem hält, macht transparent, dass zu viele Unternehmen immer noch nach Maßstäben und mit einem Instrumentarium geführt werden, die denen aus den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entsprechen. 
Es wird immer deutlicher, dass Führung in einem Beziehungsgeflecht verschiedenster Interessengruppen stattfindet und damit sind nicht nur Lieferanten und Kunden gemeint, sondern alle Stakeholder, die relevant sind. Insbesondere wird heute auch immer deutlicher, dass in Krisenzeiten die Interessen der Stakeholder nicht ausreichen bedient werden und das unternehmerische Entscheidungen mit einer kurzfristigen Sichtweise behaftet sind.
Dieses Buch beschreibt kurz die existente Problematik und zeigt dann die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels auf: Hin zu ethischer Weitsicht, dem Besinnen auf Grundwerte. Gerade in Krisenzeiten ist eine stakeholder-orientierte Kommunikation als Führungsinstrument elementar und es bedarf eines gesteuerten Kulturwandels in Unternehmen, um langfristig überleben zu können. Dieser Kulturwandel beinhaltet nicht nur eine andere Kommunikation, sondern u.a. auch einen partizipativen Führungsstil, das Zulassen von Vielschichtigkeit und die Berücksichtigung der demographischen Entwicklung bei unternehmerischen Entscheidungen und strategischer Orientierung.
Es gibt sicherlich nicht den einen richtigen Weg, aber dieses Buch soll anregen, neue Wege zu gehen, die eine nachhaltige Führung von Unternehmen erlauben.